Deutsche Sprache - schwere Sprache

Muss ich das getrennt schreiben oder darf ich es zusammenschreiben? (Teil 1 – Verben)

Warum heißt es Klavier spielen, aber eislaufen? Warum schreibt man freudestrahlend und nicht Freude strahlend? Heißt es tatsächlich – wie in der Überschrift – getrennt schreiben, aber zusammenschreiben? Zu wissen, wann man Wörter getrennt schreibt und wann sie zusammengehören, kann ganz schön kompliziert sein. Und es gibt eine beinah unübersichtlich große Anzahl an Regeln. Daher schauen wir uns in diesem Artikel zunächst einmal nur die Zusammensetzungen mit Verben an.

Deutsch ist die Sprache der langen Wörter. Wir lieben bekanntlich Ausdrücke wie Bundesausbildungsförderungsgesetz, Finanzdienstleistungsunternehmen oder gar Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (wobei letzteres Wort 2013 von hochoffizieller Seite abgeschafft wurde).

Fragen Sie jeden, der Deutsch als Fremdsprache gelernt hat – die Damen und Herren schlagen über unsere Wortkreationen regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen (und darüber, dass wir abends nur Brot essen, aber das ist ein anderes Thema).

 

Aber nicht alle Kombinationen werden im Deutschen wirklich zu einem einzigen Wort. Die Regel besagt nämlich:

“Wortzusammensetzungen schreibt man zusammen, Wortgruppen werden getrennt geschrieben.”

Da fragt sich natürlich sofort, was eine Wortzusammensetzung und was eine Wortgruppe ist. Das oben erwähnte Klavier spielen oder spazieren gehen sind zum Beispiel Wortgruppen (einmal aus Nomen und Verb, einmal aus zwei Verben). Dunkelblau und Autotür hingegen sind Wortzusammensetzungen.

Der obige Merksatz ist also nur bedingt hilfreich. Wenn man es ganz genau wissen will, hilft eigentlich nur, die Regeln für das Kombinieren verschiedener Wortarten zu kennen. Wir fangen heute mit den Verben an, da es hier die meisten möglichen Verbindungsarten gibt.

 

Verb + Verb

Verbindungen aus zwei Verben schreibt man getrennt.

(spazieren gehen, schwimmen lernen)

 

Ausnahmen:

Lassen und bleiben

Wenn Verbindungen mit „lassen“ oder „bleiben“ eine übertragen Bedeutung haben, kann man sie getrennt oder zusammenschreiben.

 (Er ist in der 6. Klasse sitzengeblieben/sitzen geblieben.)

Kennenlernen/kennen lernen

Man darf sowohl kennen lernen als auch kennenlernen schreiben.

 

 

Verb + Partizip

(Was ist ein Partizip?)

Verbindungen aus Verb und Partizip schreibt man normalerweise getrennt.

(getrennt schreiben, erzählt bekommen, verloren gehen)

 

Achtung:

Wird das Verb substantiviert, schreibt man es zusammen! Also: das Getrenntschreiben.

 

Verb + Nomen

Verbindungen aus Verb und Nomen schreibt man getrennt.

(Gitarre spielen, Ski fahren, Essen kochen)

 

Ausnahme:

Wenn das Nomen als „verblasst“ angesehen werden kann, schreibt man zusammen.

(leidtun, standhalten, teilhaben, eislaufen, irreführen, stattfinden)

 

Verb + Adjektiv

Verbindungen aus Verb und Adjektiv schreibt man getrennt.

(laut lachen, bewusstlos schlagen, rot anstreichen)

 

Ausnahmen:

Wenn sich durch die Verbindung eine neue Gesamtbedeutung ergibt, schreibt man zusammen. (Z. B. kann man niemanden durch Schreiben krank machen, trotzdem heißt es aber krankschreiben.)

(schönreden, sich schwarzärgern, blaumachen)

 

Wenn mit dem neuen Wort das Resultat einer Handlung beschrieben wird, darf man getrennt oder zusammenschreiben.

(kleinhacken/klein hacken, leeressen/leer essen, rotfärben/rot färben)

 

Anmerkung:

Bei der Kombination von Adjektiv und Verb gibt es recht viele Ausnahmen. Ich empfehle daher im Zweifelsfall den Blick in den Duden.

 

Verb + Adverb

(Was ist ein Adverb?)

Bei dieser Verbindung kommt es auf die Betonung an!

Liegt die Betonung auf dem ersten Teil der Verbindung, schreibt man zusammen.

(vorausgehen, zurückkommen, teilnehmen, rückwärtsfahren, aufeinanderprallen, freisprechen [Richter])

 

Wird der zweite Teil oder beide Teile betont, schreibt man getrennt.

(rückwärts einparken, aufeinander zugehen, frei sprechen [ohne abzulesen])

 

Verb „sein“

Verbindungen mit dem Verb „sein“ werden getrennt geschrieben

(hier sein, müde sein, sein lassen)

 

Ungebräuchliche Bestandteile

Wenn ein Teil der Zusammensetzung heute nicht mehr alleine gebräuchlich ist, schreibt man zusammen.

(feilbieten, irreführen, wetteifern, überhandnehmen, vorliebnehmen, entzweibrechen)

Sie haben jetzt also einen Überblick darüber erhalten, wie sich Verben in Verbindung mit anderen Wortarten verhalten. Zugegeben: Es ist eine lange, unübersichtliche Liste. Und leider wird sie in der deutschen Rechtschreibung auch nicht zu hundert Prozent konsequent durchgehalten. Da hilft leider manchmal nur der Blick in den Duden. Im Zweifelsfall mache ich das auch so.

Nun fehlen uns noch die Wortgruppen und Wortverbindungen ohne Verben. Diesen wird sich mein nächster Beitrag widmen. Aber keine Angst. Das schlimmste haben wir hinter uns.

Was ist ein Partizip?

Ein Partizip ist eigentlich ein Verb, aber in einer ganz bestimmten Form. In dieser Gestalt kann das Partizip oft wie ein Adjektiv verwendet werden. Man unterscheidet im Deutschen zwischen dem Partizip I oder Partizip Präsens (gehend, lachend, singend, erzählend) und dem Partizip II oder Partizip Perfekt (gegangen, gelacht, gesungen, erzählt). Das Partizip II wird auch zur Bildung des Perfekts verwendet.

 

Was ist ein Adverb?

Ein Adverb ist eine Wortart, die den Umstand eines Verbs, eines Adjektivs oder eines anderen Adverbs genauer bestimmt. Daher nennt man Adverbien auch Umstandsworte. Adverbien sind nicht flektierbar (also unveränderlich). Beispiele: dort, besonders, sehr, glücklicherweise, mittwochs, leider.

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