Deutsche Sprache - schwere Sprache

Sprechen Sie Deutsch oder deutsch? Wann schreibt man Deutsch gross und wann klein?

Eigentlich ist der Fall ja klar: In der deutschen Sprache schreibt man Nomen und Eigennamen groß und alles andere klein. Aber es gibt doch immer wieder knifflige Fälle. Das Wort „deutsch“ bringt zum Beispiel immer wieder selbst Lektoren an den Rand der Verzweiflung. Und sogar der Duden widerspricht sich hier zu einem gewissen Grad selbst. Da kommt schnell die Frage auf: Spreche ich nun deutsch oder spreche ich vielleicht eher Deutsch?

Schauen wir uns die Regeln doch einmal näher an.

Kleinschreibung

Wenn das Wort „deutsch“ als Adjektiv oder Adverb verwendet wird, schreibt man es klein.

Beispiele:

  • das deutsche Volk
  • ein deutsches Auto
  • deutsche Rechtsprechung
  • Staatsangehörigkeit: deutsch
  • sich deutsch unterhalten
Ratten-Fakt

Ratten können mehrere Minuten lang die Luft anhalten, um zu tauchen.

Woran erkennt man, ob es sich um ein Adjektiv/Adverb handelt? Ein guter Indikator ist das Wörtchen „wie“. Wenn Sie fragen können: „Wie unterhalten sie sich?“ oder: „Wie ist das Volk?“, dann sollten Sie „deutsch“ in diesem Fall kleinschreiben. Hilfreich kann es auch sein, zu überprüfen, ob sich statt „deutsch“ ein anderes Adjektiv oder Adverb einfügen lässt: „ein schnelles Auto“, er spricht „schnell“.

Aber Achtung! Bei feststehenden Begriffen, in denen „deutsch“ Teil eines Namens ist, schreibt man es meist groß, auch wenn es eigentlich ein Adjektiv ist (s. u.).

Grossschreibung

1.     Bei Substantivierung, d. h. wenn Deutsch als Nomen verwendet wird:

  • Ich unterrichte Deutsch als Fremdsprache.
  • Deutsch-Englisch-Übersetzung
  • Mein Deutsch ist schon ganz gut.
  • Deutsch lernen
  • In der Schule war Deutsch mein Lieblingsfach.

Hier kann man in der Regel nicht mit „wie?“ fragen, sondern würde eher auf „was?“ ausweichen, denn mit „Deutsch“ ist hier „die deutsche Sprache“ gemeint.

Ein deutlicher Indikator ist auch ein Adjektiv* vor dem Wort „Deutsch“, zum Beispiel:

  • Er spricht gebrochenes Deutsch.
  • Einwandfreies Deutsch ist bei uns eine Selbstverständlichkeit.

Auch eine Präposition vor dem Wort „Deutsch“ weist klar auf ein Nomen hin:

  • Auf Deutsch kann ich mich nicht gut ausdrücken.
  • Mit Deutsch kommst du in Japan nicht weiter.
  • Zu Deutsch bedeutet das „leck mich“.
  • Im Deutschen schreibt man Nomen groß.

Und zu guter Letzt handelt es sich eindeutig um ein Nomen, wenn vor „Deutsch“ ein Possessivpronomen steht:

  • Ihr/Euer/Unser Deutsch ist einfach miserabel.

2.     Als Bestandteil eines Namens:

Ist das Adjektiv „deutsch“ Bestandteil eines Namens, wird es im Allgemeinen (aber nicht immer!) großgeschrieben:

  • Deutsche Bahn AG
  • Deutscher Fußballbund
  • Institut für Deutsche Sprache
  • Deutsche Mark

Aber:

  • Institut der deutschen Wirtschaft e. V.
  • Gesellschaft für deutsche Sprache

Wer hier auf Nummer sicher gehen will, dem bleibt nur der Blick in den Duden.

Gross- oder Kleinschreibung

Nun bleibt also nur noch die Frage vom Anfang: Spreche ich deutsch oder spreche ich Deutsch? Die Antwort ist: Beides ist korrekt.

Sowohl Duden als auch Wahrig empfehlen hier im Allgemeinen die Kleinschreibung, aber trotzdem ist die Großschreibung nicht falsch, denn:

  • Wie spreche ich? Ich spreche deutsch.
  • Was spreche ich? Ich spreche Deutsch (die deutsche Sprache).

Wie Sie sehen, ist die Frage nach Groß- oder Kleinschreibung nicht immer eindeutig zu beantworten. Wenn Sie immer noch nicht ganz sicher sind, gilt: keine Sorge! Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Denn selbst Duden und Wahrig widersprechen sich hier gegenseitig oder sogar selbst (siehe Fußnote).

Wer die Regelungen selbst noch einmal nachlesen möchte, wird hier fündig:

https://www.duden.de/rechtschreibung/deutsch

https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/namen#D150

https://www.dwds.de/wb/deutsch

Und bevor ich es vergesse: Natürlich gelten die oben genannten Regeln auch für alle anderen Sprachen.

* Zumindest sieht es der Duden so. Im Wahrig findet sich auch „in deutsch“ oder „zu deutsch“, bzw. finden sich auf ein und derselben Seite im Wahrig die Formulierungen „wie heißt das auf (gut) Deutsch?“ und „das heißt auf gut deutsch“.

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