Deutsche Sprache - schwere Sprache

Der Apostroph – gar nicht so einfach!

Hier gibts billige Umzugskarton’s! Auto’s bitte rückwärts einparken. Blumen zum Valentin’stag. – Vom Deppenapostroph haben Sie sicher schon gehört und vermeiden ihn hoffentlich. Aber wie verwendet man den kleinen Strich denn nun korrekt?

Inzwischen, so würde man meinen, dürfte jedem bekannt sein, dass man im Deutschen keinen Apostroph benötigt, um Besitz anzuzeigen. Und für den Plural erst recht nicht. Trotzdem hält sich diese Praxis hartnäckig, selbst auf Firmenschildern. Den Grund für die Verwirrung um den Apostroph dürfen wir sicher in der englischen Sprache suchen. Denn im Englischen gehört zum Beispiel in „the teacher’s pet“ ein Apostroph. (Übrigens handelt es sich hier nicht etwa um das Haustier der Lehrerin, sondern um ihren Lieblingsschüler.) Im Deutschen brauchen wir den Apostroph an dieser Stelle nicht, obwohl er inzwischen nicht mehr komplett verboten ist, wenn es um Besitzanzeige geht – dazu aber später mehr.

Ratten-Fakt

Das Herz einer Ratte schlägt 300-400 Mal pro Minute.

Schauen wir uns also an, wozu der Apostroph im Deutschen eigentlich eingesetzt werden darf:

1. Auslassungen

Die wohl häufigste Verwendung findet der Apostroph, wenn einer oder mehrere Buchstaben wegfallen. Wir setzen ihn besonders dann, wenn „die verkürzten Wortformen sonst schwer lesbar oder missverständlich wären“ (Duden).

Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten:

Am Wortanfang

  • ’s war kalt.
  • ’nen schönen Abend noch.
  • So ’n Mist.
  • Ich mach mir ’ne Tasse Tee.
  • Du brauchst ’nen Anwalt.

(Hier schreibt man übrigens auch am Satzanfang klein.)

Am Wortende

  • Das bezweifl’ ich.

(Aber nur, wenn es sonst schwer verständlich wäre).

Im Wortinneren

  • Ku’damm
  • R’ort (für den in Hamburg berüchtigten Stadtteil Rothenburgsort)

Bei Zusammenziehungen

Wenn aus zwei Wörtern eins wird und dabei Buchstaben verloren gehen, ist die Verwendung im Allgemeinen freigestellt, solange das Wort auch ohne Apostroph noch gut lesbar ist:

Kombinationen mit „es“

  • Das war’s. oder Das wars.
  • Ich hab’s! oder Ich habs.
  • Wenn’s dir recht ist. oder Wenns dir recht ist.
  • Er hat’s kapiert. oder Er hats kapiert.

Anmerkung: Word gibt bei der Verwendung ohne Apostroph hier eine Fehlermeldung. Dennoch ist die Schreibweise richtig.

Ungewöhnliche Kombinationen mit dem bestimmten Artikel

  • Ich schlafe gerne auf’m Bauch.
  • Der Hund springt immer als erster in’n See.
  • Er geht nie ohne Schirm aus’m Haus.

Übrigens: Zu einem Wort zusammengezogen wird vor allem die Verbindung von Präpositionen (in, für, auf etc.) mit dem bestimmten Artikel (der, die, das, den …). Mit dem unbestimmten Artikel (ein, eine …) schreibt man tendenziell eher in zwei „Worten“: Wir fahren an ’nen See.

Die gängigeren Kombinationen werden sogar ganz ohne Apostroph geschrieben (siehe unten).

 

2. Besitzanzeige

Mit oder ohne Apostroph schreibt man zum Beispiel:

  • Grimm’sche Märchen
  • Gauß’scher Weichzeichner (ein beliebter Photoshop-Filter)

bzw.

  • grimmsche Märchen
  • gaußscher Weichzeichner

Beachten Sie jedoch, dass die Version ohne Apostroph klein geschrieben wird!

Besitzanzeige bei auf s, ß, tz, z, x, ce endenden Namen

  • Lars’ Freundin
  • Marx’ gesammelte Werke
  • Alice‘ Leben (gesprochen Alices)

Und es ist eben (in Ausnahmefällen) doch erlaubt:

  • Andrea’s Blumenlädchen
  • Carlo’s Wäscherei

Formen wie diese verwenden Sie allerdings nur, wenn die Grundform eines Personennamens verdeutlicht werden soll (hier also, dass es sich um Andrea und nicht Andreas handelt, bzw. um Carlo und nicht Carlos). Dies ist außerdem nur bei Namen zulässig. Das Mittag’s-Menü ist nicht nur falsch, sondern verursacht mir beim Lesen auch körperliche Schmerzen. Und das wollen Sie mir doch nicht antun, oder?

 

Kein Apostroph

Schluss-e

Ganz ohne Apostroph schreibt man heute die umgangssprachliche Form von Verben in der 1. Person Singular:

  • Ich mach mir ’ne Tasse Tee.
  • Das lass ich mir nicht nachsagen.

Plural

Sorry, aber Scan’s und CD’s gibt es einfach nicht. Es heißt:

  • Lkws
  • Cafés
  • Handys

Genitiv:

  • Hamburgs Innensenator
  • Omas Geschichten

In Ausnahmefällen darf bei Namen (!) ein Apostroph stehen (siehe oben).

Gängige Verschmelzungen von Präposition und Artikel

Nur bei eher ungebräuchlichen Kombinationen (wie auf’m) schreiben wir heute noch mit Apostroph. Ansonsten gilt:

  • ans, aufs, fürs, vors …
  • hinterm, am, beim, vorm …
  • übern, zur, untern, hintern …

 

Das richtige Zeichen

Und nun zum letzten Fallstrick in Verbindung mit dem Apostroph. Ein häufiger Fehler (den man gerne auch einmal von Word aufgezwungen bekommt) ist die Verwendung des falschen Zeichens. Ein Apostroph hat immer die Form des zunehmenden Mondes, nie andersherum.

’ = Apostroph
'= einzelnes, schließendes Anführungszeichen

Sie finden den Apostroph auf einer deutschen Tastatur über der Raute (#). Wenn Ihnen Word aber tatsächlich mal das falsche Zeichen aufzwingen möchte (am Anfang des Wortes sogar häufig ein Anführungszeichen unten), können Sie auf folgende Tastenkombinationen zurückgreifen:

  • Mac: Opt + Shift + #
  • PC: Alt + 0146 (Alt gedrückt halten)

Das wars (war’s) für heute. Ich hoffe, dass ich etwas Klarheit in den Apostrophen-Dschungel bringen konnte.

Quellen:

„Apostroph“. Duden-Online. https://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/apostroph (14.3.2022)

Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik – ganz einfach. Dudenverlag, 2019.

Turtschi, Ralf: Zeichen setzen: Satz-, Begriffs- und Sonderzeichen richtig einsetzen. VFLL, 2020.

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